Antisemitismus reduziert sich nicht auf den Holocaust, sondern ist ein viel wichtigerer Bezugspunkt in der Gegenwart. Auf diesen Konsens verständigten sich die Teilnehmer*innen der Diskussionsrunde „Geh denken?“ – Erinnerungskultur im Wandel.

Die AG gegen Antisemitismus der Grünen in Münster veranstaltete am 21. März eine Podiumsdiskussion in Rahmen der Münsteraner Wochen gegen Rassismus. Rund 130 Interessent*innen trafen sich in der Pension Schmidt, um mit unseren besonderen Gästen über dieses immer noch aktuelle Thema zu sprechen.

Die Diskussion wurde von der Kreisvorstandssprecherin und Europakandidatin der GRÜNEN in Münster, Anna Maj Blundell, moderiert: „Ich bin lange in England zur Schule gegangen und da haben wir noch den Ersten Weltkrieg großartig gefeiert. Als ich dann später nach Deutschland kam, habe ich erfahren, dass man auch mit eigener Geschichte kritisch umgehen kann“.

Durch seine Geschichte trägt Deutschland eine besondere Verantwortung im Kampf gegen Antisemitismus und für Israel. Als besonders wichtig gilt die Fortsetzung der Erinnerungskultur in den Schulen und generell in der breiten Öffentlichkeit, wofür Deutschland weltweit geachtet wird. Dabei waren sich die Diskutierenden einig, dass sich zwar die Erinnerungskultur durch den Wegfall von Zeitzeug*innen-Gesprächen ändert, aber diese ohnehin nur eine von vielen Säulen hierbei waren.

Besonders Margarita Voloj von der Jüdischen Gemeinde in Münster betonte, dass ihr der Austausch – das „Darüberreden“ – besonders wichtig sei und sie sich deswegen so energisch engagiere. Dieses Engagement sieht sie auch im Kontrast zu ihren Eltern, die nicht über ihre Erlebnisse während des Holocausts berichteten.