Die Überlegungen des Wirtschaftsflügels der CDU, den Rechtsanspruch auf Teilzeitarbeit abzuschaffen oder stark einzuschränken, stoßen bei den GRÜNEN in Münster auf deutliche Kritik. Eine solche Regelung würde die Lebensrealität vieler Menschen in Münster ignorieren und insbesondere Frauen unter erheblichen Druck setzen.

Verschärfung von Ungleichheit

„Gerade in einer Stadt wie Münster, in der viele Menschen Beruf, Familie, Studium und ehrenamtliches Engagement miteinander vereinbaren, ist Teilzeit kein Luxus, sondern eine zentrale Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe“, erklärt die Co-Kreisverbandssprecherin der GRÜNEN Münster, Birgit Wolters. „Wenn Teilzeit künftig nur noch bei sogenannten Ausnahmefällen erlaubt sein soll, trifft das vor allem Frauen – und verschärft bestehende Ungleichheiten.“

Denn Fakt ist: Rund 50 Prozent der Frauen sind teilzeitbeschäftigt. Ein zentraler Grund dafür ist die schwierige Vereinbarkeit von Erwerbsarbeit und Carearbeit. Von dieser Mehrfachbelastung sind Frauen leider immer noch besonders betroffen, da sie nach wie vor einen deutlich größeren Anteil an unbezahlter Pflege- und Kinderbetreuungsarbeit übernehmen als Männer.

Senkung der Produktivität

Die Idee, die Produktivität durch mehr Kontrolle zu erreichen, ist nach Meinung der GRÜNEN ein “Eigentor”. Ein Zwang zur Vollzeit oder zur „Begründung“ von Reduktion führt nicht zu motivierteren Beschäftigten, sondern zu höherer psychischer Belastung, mehr Krankheitsausfällen und mehr inneren Kündigungen. Internationale Erfahrungen zeigen: Arbeitszeitautonomie steigert langfristig Produktivität – Kontrolle senkt sie.

Gefährung des Ehrenamts

Aus Sicht der GRÜNEN hätte eine Abschaffung oder Einschränkung des Teilzeitrechts auch spürbare Folgen für das Ehrenamt vor Ort – vom Sportverein über soziale Initiativen bis hin zur politischen Arbeit in der Stadt, wie die Rats- und Ausschussarbeit, die einen großen Vor- und Nachbearbeitsungsaufwand mit sich bringe.

„Viele Menschen engagieren sich in Münster ehrenamtlich, weil sie ihre Arbeitszeit flexibel gestalten können“, sagt der Co-Kreisverbandssprecher der GRÜNEN Münster, Jörg Rostek. „Das gilt ganz besonders für die Kommunalpolitik: Teilzeitmodelle ermöglichen es erst, dass Menschen mit Familie oder Pflegeverantwortung sich in Bezirksvertretungen, Ausschüssen oder im Rat der Stadt engagieren können. Wer das Teilzeitrecht schwächt, schadet damit direkt der demokratischen Beteiligung auf kommunaler Ebene.“

Die GRÜNEN Münster fordern daher:

  • den uneingeschränkten Erhalt und die Stärkung des Rechts auf Teilzeit,
  • bessere Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Pflege,         
  • sowie eine stärkere Anerkennung und Unterstützung des Ehrenamts – auch und gerade in der Kommunalpolitik.

„Münster lebt vom Engagement seiner Bürger*innen. Dieses Engagement darf nicht durch rückwärtsgewandte arbeitsmarktpolitische Ideen ausgebremst werden“, sind sich Wolters und Rostek einig.

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